Schweiz, Winterthur, Gewebemuseum, bis 31. Juli 2011: "Böse Dinge"
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Gute Form, böse Form: Das Gewerbemuseum stellt die alte Frage nach der Qualität unserer Dingkultur neu: Wie und vor welchem Hintergrund entstehen ästhetische Urteile? Wie wurden sie einst begründet, und welche Werte stehen heute zur Diskussion?
Zu Zeiten der alten Gewerbemuseen war Geschmacksbildung hoch im Kurs: «Wollen wir erkennen, worin der gute Geschmack besteht, müssen wir zuerst den schlechten Geschmack beseitigen.» Mit diesem Ziel eröffnete Gustav E. Pazaurek 1909 seine «Abteilung der Geschmacksverirrungen» im Stuttgarter Landesgewerbemuseum. Was schlecht war, wurde mit strafrechtlichen Kategorien benannt und mit missionarischem Eifer bekämpft. Adolf Loos geisselte das Ornament als Verbrechen; Werkbund und Bauhaus handelten aus diesem Geist. Heute, im Zeitalter des Stilpluralismus, ist das komplizierter. Bad Taste und Kitsch sind Kult, Provokation ist Kalkül. Die «Bösartigkeit», sprich Schlechtigkeit der Dinge, lässt sich nicht mehr so eindeutig sichten und benennen, da sie sich nicht mehr im Gegenstand ? seiner Konstruktion, seinem Material oder Dekor ? allein entlarvt.
Üppig oder schlicht? Vorwärts oder rückwärts? Modern oder modisch? Ironisch oder moralisch? Industrielle Massenware, handwerkliches Einzelstück oder Do-it yourself? Im Nebeneinander und Gegeneinander zeigt die Ausstellung Positionen auf, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts gelebt, verteidigt und verdammt wurden. Sie setzt sich ? kritisch und ironisch zugleich ? mit Bewertungskategorien und ihrem Wandel auseinander und thematisiert neue Strategien gegen die Opulenz des Allzuvielen.
